Verschreibungspflichtiges Cannabis ab August bei Ihrem Arzt erhältlich


Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Behörden aufgefordert, den Zugang zu medizinischem Cannabis bis Juni 2019 zu vereinfachen, da es mit den Akten überlastet ist und die damit verbundene Verwaltungsarbeit nicht mehr bewältigen kann.


Diese Forderung wurde vor mehr als einem Jahr vom Bundesrat weitgehend bestätigt, und heute ist die Schweiz auf dem Weg, medizinisches Cannabis wie jedes andere Medikament auf Rezept erhältlich zu machen. Wir werfen einen Blick auf diese wichtige Entwicklung.


Derzeitige Situation


Derzeit ist der Zugang zu einer Behandlung mit medizinischem Cannabis ein relativ langwieriges Verfahren, das in den folgenden Schritten beschrieben wird:


  • Vorherige ärztliche Konsultation

  • Diagnose (dieser Schritt kann auch durch unsere Selbstdiagnose ergänzt werden, mit der Sie sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorbereiten können).

  • Erstellung des Antrags und Übermittlung an das BAG

  • Prüfung des Antrags und Mitteilung der Entscheidung an den Arzt

  • Ausstellung eines Rezepts (verlängerbar, aber maximal 6 Monate)

  • Bestellung des Produkts (Dronabinol, Öl/Tinktur, Sativex usw.) bei einer Apotheke

  • Erhalt des Produkts durch den Patienten


Zwischen der ersten Konsultation und dem Zugang zum Produkt vergehen in der Regel zwei bis drei Wochen. Die Schweizer Behörden sind sich bewusst, dass diese Fristen für Patienten (laut BAG ca. 3.000 genehmigte Anträge pro Jahr), die leiden und eine angemessene Behandlung benötigen, viel zu lang sind und haben daher einen Pragmatismus an den Tag gelegt, der nur begrüßt werden kann.


Im Sommer 2022 wird dieses verwaltungsaufwändige und für Ärzte und Patienten kinderfeindliche System beendet sein.


Ein leichter zugängliches, aber kontrolliertes System


Sobald das neue Gesetz in Kraft tritt, können Ärzte medizinisches Cannabis frei verschreiben, ohne auf das grüne Licht des BAG warten zu müssen. Dies rückt die medizinische Praxis in den Mittelpunkt und ermöglicht es, das hartnäckige soziokulturelle Stigma von Cannabis zu beseitigen, das zwar ein Betäubungsmittel ist, aber in den therapeutischen Dosen, in denen es verschrieben wird, ein "unbedeutendes" (Dr.Fankhauser, Panakeia Apotheke) Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial aufweist.


Das BAG plant, den Ärzten ein digitales Reporting-Tool zur Verfügung zu stellen. Dieses Tool soll drei Statusberichte im Verlauf der Behandlung liefern: einen ersten bei der Erstverschreibung, einen zweiten nach einem Jahr und einen letzten nach zwei Jahren oder nach einer unerwarteten Unterbrechung der Behandlung.


Tausende von Patienten betroffen


Daniel Dauwalder, Sprecher des BAG, schätzt, dass nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes zwischen 66.000 und 100.000 Personen von einer Behandlung mit medizinischem Cannabis profitieren könnten, wie er in der Zeitung Le Matin sagte.


Derzeit ist nur eine kleine Anzahl von Ärzten für die Therapie mit medizinischem Cannabis sensibilisiert oder ausgebildet worden. Es ist daher wichtig, schnell geeignete Schulungen anzubieten, um eine qualitativ hochwertige Therapiebegleitung zu gewährleisten und den Missbrauch der Behandlung einzuschränken.


Die schwierige Position der Versicherer


Obwohl die Versicherungen medizinisches Cannabis als therapeutisches Produkt anerkennen, das ihre Kriterien (Wirksamkeit, Angemessenheit, Wirtschaftlichkeit) erfüllt, wird die Kostenerstattung bei weitem nicht automatisch gewährt.


Zahlreiche Parlamentarier haben die wichtigsten Akteure der Branche bereits auf dieses Thema angesprochen, das eher eine Frage der Politik und des Markenimages als des medizinischen Bereichs ist. In der Tat sind die Versicherer noch zurückhaltend, wenn es um die Erstattung von Medikamenten geht, die in der Praxis immer noch Betäubungsmittel sind.


Es ist jedoch anzunehmen, dass das neue Gesetz de facto zu einer ausreichenden Zahl von Anträgen auf Kostenübernahme führen wird, so dass die Versicherer ihre Position zu diesem Thema gründlich überdenken werden.

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