Chronische Schmerzen und die Opioid-Epidemie



Der leichte Zugang zu Opiaten hat in den Vereinigten Staaten ein Problem für die öffentliche Gesundheit geschaffen
Der leichte Zugang zu Opiaten hat in den Vereinigten Staaten ein Problem für die öffentliche Gesundheit geschaffen

Die hohe Prävalenz chronischer Schmerzen in Verbindung mit der übermäßigen Verschreibung von Opioiden hat zu einem übermäßigen Gebrauch und einem dringenden Bedarf an Lösungen geführt. Ob Cannabis eine Rolle bei der Bekämpfung chronischer Schmerzen und des übermäßigen Gebrauchs von Opioid-Medikamenten (Oxycontin, Morphin usw.) spielen könnte, ist umstritten.


Jüngste Erhebungen deuten darauf hin, dass eine große Zahl von Menschen Cannabis zur Behandlung von Schmerzen und zur Reduzierung des Opiatkonsums verwendet, und aus Cannabis gewonnene Produkte zeigen in randomisierten kontrollierten Studien zumindest eine bescheidene Wirksamkeit bei der Behandlung von Schmerzen. So haben beispielsweise Überwachungsstudien aus Ländern, die die Verwendung von Sativex, einem Produkt auf Cannabisbasis, zugelassen haben, gezeigt, dass eine Kombination aus Δ9-Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol ein geringes Abhängigkeitspotenzial hat, gut verträglich ist und den Patienten nützt.


In Anbetracht der Zahl der Menschen, die bereits Cannabis zur Schmerzbehandlung und zum Opioidkonsum auf staatlich regulierten Märkten verwenden, ist es unerlässlich, weitere Forschungen in diesen Bereichen durchzuführen und Informationen darüber zu verbreiten, wie der Schaden minimiert und alle Vorteile der Verwendung von Cannabinoiden zur Schmerzlinderung und zur Reduzierung des Opioidkonsums maximiert werden können.


Der Missbrauch von Opioiden hängt mit der übermäßigen Verschreibung dieser Medikamente durch Ärzte zusammen, und jüngsten Schätzungen zufolge leiden 25,3 Millionen amerikanische Erwachsene unter chronischen täglichen Schmerzen. Zwar gibt es eine Reihe nicht zugelassener Behandlungen für neuropathische und somatische Schmerzen (z. B. nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs), trizyklische Antidepressiva, Gabapentin, Pregabalin), doch viele dieser Behandlungen haben sich als wenig wirksam, nebenwirkungsreich und schlecht verträglich erwiesen. Darüber hinaus werden begleitende Therapien wie Physiotherapie, kognitive Verhaltenstherapie und Akupunktur, die bekanntermaßen bei chronischen Schmerzen wirksam sind, von den Krankenkassen nicht immer erstattet.


Leichter Zugang, Potenzial für Missbrauch?


In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Verschreibungen von Opioiden drastisch gestiegen. Zwischen 1999 und 2010 hat sich die Zahl der Verschreibungen von Opioiden vervierfacht, während die Zahl der Todesfälle durch Überdosierung seit 2000 um 200 % gestiegen ist. Die Zahl der Todesfälle durch Überdosierung nimmt weiter zu, da die Menschen, denen diese Medikamente ursprünglich verschrieben wurden, auf billigere, auf der Straße erhältliche Produkte umgestiegen sind, darunter Heroin und gefährlich potente synthetische Drogen (d. h. Fentanyl und Fentanylderivate).


Obwohl die Gründe für diesen Übergang wahrscheinlich vielschichtig sind, deuten die Ergebnisse qualitativer Studien darauf hin, dass Personen, die zuvor verschreibungspflichtige Opioide konsumiert hatten, aufgrund der Kosten und des leichten Zugangs zu illegalen Formen von Opioiden übergegangen sind, nachdem sie körperlich und emotional abhängig geworden waren. Einigen Schätzungen zufolge geben 39 % der injizierenden Heroinkonsumenten an, von verschreibungspflichtigen Opioiden "abhängig" gewesen zu sein, bevor sie zu Heroin wechselten.


Neben dem hohen Risiko einer Überdosierung wirft der langfristige Opioidkonsum eine Reihe weiterer Probleme auf. So gibt es beispielsweise keine eindeutigen Beweise für den Nutzen und die Sicherheit ihres Einsatzes bei der Behandlung chronischer Schmerzen.


Ein unausgewogenes Risiko-Nutzen-Verhältnis


Von den 91,8 Millionen Erwachsenen in den USA, die verschreibungspflichtige Opioide zur Schmerzlinderung einnehmen, berichten 12,5 % über Missbrauch. Die hohe Missbrauchsrate lässt sich zumindest teilweise durch die Toleranz erklären, die sich bei fortgesetzter Einnahme dieser Medikamente entwickelt. Der fortgesetzte Konsum ist mit zwei Schlüsselprozessen verbunden: Toleranz und opioidinduzierte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie).


Beide Phänomene zusammen können die Wirksamkeit der Behandlung chronischer Schmerzen verringern und zum Missbrauch dieser Produkte beitragen. Ebenso wird ein längerer Opioidkonsum mit Neuroinflammation und Schädigung des Gehirns und des Immunsystems in Verbindung gebracht. Und schließlich deuten neuere Erkenntnisse darauf hin, dass die Behandlung chronischer Schmerzen mit Opioiden nicht wirksamer ist als die Behandlung mit anderen Medikamenten zur Schmerzlinderung. Daher überwiegen in vielen Fällen die negativen Folgen, die mit der Einnahme dieser Medikamente verbunden sind, jeglichen Nutzen für den Patienten.


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